Von Anfang an betrieb das nationalsozialistische Regime unter Hitler die systematische Entrechtung der Jüdinnen und Juden. Dies begann mit der Verdrängung der Jüdinnen und Juden aus dem öffentlichen Dienst, dem Boykott jüdischer Geschäfte und der erzwungenen so genannten "Arisierung" von in jüdischem Besitz befindlichen Unternehmen. 1935 folgten die rassistischen "Nürnberger Gesetze", welche die deutschen Jüdinnen und Juden ihrer staatsbürgerlichen Rechte beraubten. Der vorläufige Höhepunkt dieser Politik gipfelte in Zerstörte Schaufenster nach dem Pogrom. Quelle: shoa.de antisemitischen Terrorakten, die von Hitler und Goebbels am 9. November 1938 zu einem reichsweiten Massenpogrom ausgeweitet wurden. Bis zum offiziellen Ende am 10. November wurden über 1.000 Synagogen abgebrannt, mindestens 8.000 jüdische Geschäfte zerstört sowie zahllose Wohnungen verwüstet. Im Laufe dieser konzertierten Gewaltverbrechen wurden zwischen 1.300 und 1.500 Menschen ermordet. Hinzu kamen Millionenschäden an zerstörten Geschäftseinrichtungen und Schaufensterscheiben. Im NS-Jargon wurde das Pogrom mit dem verharmlosenden Begriff "Reichskristallnacht" bezeichnet, eine Diktion die teilweise bis heute verwendet wird.



Antisemitische Ausschreitungen Wien 1938. Quelle: Österreichische Nationalbibliothek Fotografie #1073447 Das eigentliche Ziel seiner Politik, die Vernichtung des Judentums, hatte Hitler zwar bereits in seiner Hetzschrift "Mein Kampf" zum Ausdruck gebracht, bis zum Kriegsbeginn war das offiziell formulierte Ziel allerdings einzig möglichst viele Jüdinnen und Juden zur Auswanderung aus Deutschland zu drängen. 1939 änderte sich diese Politik, von da an wurde die systematische, fabrikmäßige Ermordung aller Jüdinnen und Juden geplant und betrieben, derer das Hitler-Regime habhaft werden konnte. Weitere Opfer waren vor allem Roma und Sinti, Homosexuelle, durch die NS-Medizin als "minderwertig" definierte Personen, so genannte "Asoziale" politisch Andersdenkende und religiös Verfolgte.
Juden werden im Mai 1943 von deutschen SS-Soldaten aus dem brennenden Warschauer Ghetto getrieben. Quelle: DPA In den größeren Städten des so genannten "Generalgouvernements" in Polen, wie Warschau oder Lódz, wurde die jüdische Bevölkerung in hermetisch abgeriegelte Ghettos zwangsübersiedelt, wo sie durch Hunger, Kälte und willkürliche Morde sukzessive dezimiert wurde. Im Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion ab Sommer 1941 folgten den Truppen der Wehrmacht die so genannten Einsatzgruppen der SS, die Massenerschießungen an jüdischen ZivilistInnen vornahmen. An solchen Aktionen waren aber auch reguläre Wehrmachts- und Polizeieinheiten beteiligt.



Erschießungen galten aber bald als "ineffektiv" für die geplanten Morde im großen Stil. Daher erprobten seit Herbst 1941 die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD Massentötungen mit Hilfe von mobilen Vergasungswagen, wie sie schon im so genannten Euthanasieprogramm "T4" zur Ermordung Geisteskranker eingesetzt worden waren. Da sich die von der SS-Führung gewünschte Mordrate dadurch nicht erzielen ließ, wurden schließlich fabrikmäßige Vernichtungslager errichtet, deren alleiniger Zweck die möglichst schnelle Tötung einer möglichst großen Zahl von Menschen war. Solche Vernichtungslager wurden angelegt in:

Gebäude der Gaskammer und des Krematoriums IV in Auschwitz Birkenau. SS-Aufnahme, 1944. Quelle: Memorial and Museum Auschwitz-Birkenau
  • Auschwitz-Birkenau (1941)
  • Chelmno (dt. auch Kulmhof) (1941)
  • Treblinka bei Warschau (1942)
  • Majdanek bei Lublin (1942)
  • Belzec bei Lublin (1942) und in
  • Sobibor bei Lublin
Eine Gruppe von Überlebendem in Lazarett des Lagers Dachau kurz nach der Befreiung, Mai 1945. Quelle: United States Holocaust Memorial Museum, courtesy of Tibor Vince, Photograph #16986. Aus sämtlichen Teilen Europas, die von den nationalsozialistischen Truppen besetzt waren, wurden bis Kriegsende Menschen einzig zum Zweck ihrer Vernichtung in diese Lager deportiert. Unmittelbar nach ihrer Ankunft wurden sie in Gaskammern geführt (lediglich in Auschwitz und Majdanek wurden Selektionen in Arbeitsfähige und Nicht-Arbeitsfähige vorgenommen), die als Duschräume getarnt waren, und dort mit Kohlenmonoxyd oder Zyklon B, einem hochgiftigen Schädlingsbekämpfungsmittel aus Blausäure ermordet. Das Gas verursacht einen qualvollen, bis zu 20 Minuten dauernden Erstickungstod. Die Leichen wurden in Krematorien verbrannt. Einzelne Leichenteile wie Haare und Goldzähne wurden ebenso wie die privaten Habseligkeiten der Opfer (Kleidung, Schuhe, Brillen, Koffer etc.) von der SS weiterverwertet.

Zusätzlich wurden in den Konzentrationslagern Menschenversuche durchgeführt. Die Opfer wurden zum Beispiel in Druckkammern extrem hohem oder niedrigem Luftdruck ausgesetzt, in Eiswasser unterkühlt, mit Bakterien infiziert, für chirurgische Versuche missbraucht und vieles mehr.



Am 20. Januar 1942 fand unter der Leitung von Reinhard Heydrich die Wannseekonferenz bei Berlin statt. Dort besprachen hochrangige Ministerialbeamte der Reichsregierung die so genannte "Endlösung der Judenfrage", also die Deportation und Ermordung aller europäischen Jüdinnen und Juden. Elf Millionen Menschen waren zur Vernichtung vorgesehen.

Im größten Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau wurden 1 100.000 bis 1 500.000 Menschen ermordet. Etwa eine Million davon waren Jüdinnen und Juden. Insgesamt ermordeten die Nationalsozialisten zwischen 5,29 und über 6 Millionen Jüdinnen und Juden in Konzentrations- und Vernichtungslagern sowie durch Massenexekutionen. Für alle von Nazi-Deutschland besetzten Länder sowie dem Reichsgebiet selbst werden folgende Minimalzahlen genannt:
  • Albanien: 600
  • Bulgarien: 11.000
  • Dänemark: 161
  • Deutschland: 230.000 (davon 65.000 in der "Ostmark")
  • Frankreich und Belgien: 32.000
  • Häftlingsleichen im Leichenhaus des Krematoriums Dachau, kurz nach der Befreiung. Mai 1945. Quelle: United States Holocaust Memorial Museum,courtesy of Frank Manucci, Photograph #16980.
  • Griechenland: 60.000
  • Italien: 7.600
  • Jugoslawien: 55.000-60.000
  • Luxemburg: 1.200
  • Niederlande: 102.000
  • Norwegen: 735
  • Polen: 2 700.000
  • Rumänien: 211.000
  • Sowjetunion: 2 100.000-2 200.000
  • Tschechoslowakei: 143.000
  • Ungarn: 502.000
Im März 1938 gab es 181.778 ÖsterreicherInnen jüdischen Glaubens deren Großteil in Wien lebte. Hinzu kamen noch zirka 25.000 ÖsterreicherInnen, die nach den Nürnberger Rassengesetzen als Jüdinnen und Juden galten. Zwei Drittel wurden zwischen 1938 und 1941 aus Österreich vertrieben und ein Drittel (65.000 Menschen) während der gesamten Nazi-Herrschaft ermordet. Von diesen rund 200.000 Menschen befanden sich Ende 1942 noch rund 8.000 Personen in Österreich.

- Stand der jüdischen Bevölkerung der "Ostmark" laut damaliger Statistik
13. März 1938: 206.000
15. April 1944: 5.512

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