Auf Betreiben Salomon Rothschilds, Finanzier und politischer Initiator, wird der Bahnhof nach den Plänen Anton Jünglings erbaut. Weitere Beteiligte: Franz Xaver Riepl (Konstrukteur) und Alois Ritter von Negrelli (Baumeister; Suezkanal, Kanal von Corinth).

Statue Salomon von Rothschilds im Inneren des Bahnhofgebäudes. Quelle: Bezirksmuseum Leopoldstadt Anfangs in erster Linie als Güterbahnhof fungierend verband er die Hauptstadt Österreich-Ungarns mit den wirtschaftlich wichtigen Regionen in Böhmen, Schlesien und Mähren. Durch die "Kaiser-Ferdinands-Nord-Bahn" und speziell durch die vermehrt einsetzenden Kohlelieferungen aus Mähren wurde das Unternehmen bald zur Goldgrube. Die L-förmige Anlage umfasste sechs Gebäude: Wartesaal, Wohnungen, Magazin, Wagenremise, Lokomotivremise und Werkstätte. Sie war von einer 2,5 Meter hohen Mauer umgeben.



Historische Postkarte mit der Abbildung des Nordbahnhofs. Quelle: Bezirksmuseum Leopoldstadt Durch Theodor Hoffmanns verspätete romantische Architektur wurde er zu einem der prunkvollsten Bahnhöfe Europas. Vermischung diverser Stile und Funktionen: Rundbogenmotive, maurische Details, toskanische Muster; dreigeschossige Anlage mit fünfgeschossigen Eckbauten, fünfgleisige Halle, prächtiger Treppenaufgang, Hofsalon, Restaurant, Betriebräume ...
Der Nordbahnhof entwickelte sich durch die Zunahme des Personenverkehrs zum meistfrequentierten Bahnhof der Habsburgermonarchie.



Innenansicht des Nordbahnhofs. Quelle: Bezirksmuseum Leopoldstadt Nach dem ersten Weltkrieg verlor der Bahnhof zwar an Bedeutung, bildete aber weiterhin das Zentrum der pulsierenden Leopoldstadt. Den in großer Zahl in Wien ankommenden Ostjüdinnen und -juden (Aschkenasim) galt er als das "Tor zur Welt". Er war Ankunftsort der Eltern von späteren Nobelpreisträgern, nach 1938 Abfahrtsort der Kinder ins Exil und ab 1943 Ausgangspunkt für Deportationen in Konzentrations- und Vernichtungslager.





Sprengung der Ruine 1965. Quelle: Bezirksmuseum Leopoldstadt Sprengung der noch immer attraktiven Ruine des Bahnhofs, beim Neubau zu einem regionalen Durchgangsbahnhof für den Schnellbahnverkehr umdisponiert.
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