Mit der Realisierung von airport.praterstern möchte die Republik Österreich durch ein unübersehbares Zeichen die große Bedeutung hervorheben, die sie den Bestrebungen zur Wiedergutmachung der nationalsozialistischen Verbrechen beimisst. Das Projekt umfasst zwei Schwerpunkte:


1) Die persönliche Kontaktaufnahme mit den Überlebenden

Bereits im Jahr 2002 wurde die Gründung einer Fachkommission initiiert, bestehend aus HistorikerInnen und VertreterInnen der verschiedenen Opfergruppen (politisch Verfolgte, Deserteure und Kriegsdienstverweigerer, VertreterInnen verschiedener Religionsgemeinschaften, säkulare jüdische Organisationen, VertreterInnen der Sinti und Roma, Homosexuelleninitiativen und Behindertenvereine), die mit der möglichst lückenlosen namentlichen Erfassung der Vertriebenen beauftragt wurde. Neben den Nachforschungen in Österreich bemühten sich die Vertretungen der Republik im Ausland darum, die Überlebenden und ihre Nachkommen ausfindig zu machen, was auch in großem Ausmaß gelang.


Ein persönliches Schreiben der Republik Österreich, das folgende Punkte beinhaltet, wird an alle Überlebenden sowie deren Nachkommen gesandt:
  • eine Entschuldigung für den Verlust, das Leid und die Trauer, die diese Menschen während des Nationalsozialismus erfahren haben,
  • die Benachrichtigung über die Rückerstattung sämtlicher durch die Nazis enteigneten Güter,
  • das Angebot umfassender finanzieller Entschädigungen für materielle sowie physische und psychische Beeinträchtigungen, Nachteile oder Schäden,
  • eine Einladung, die Republik Österreich zu besuchen,
  • eine Einladung zur Rückkehr in die Republik Österreich,
  • ein Angebot zur Annahme der österreichischen Staatsbürgerschaft, falls gewünscht auch rückwirkend.

2) Der Bau des airport.praterstern

Der Nordbahnhof am Praterstern war einst der prunkvollste und meistfrequentierte Bahnhof Österreich-Ungarns. Er stellte das Zentrum der Leopoldstadt dar, des Wiener Bezirks mit dem höchsten jüdischen Bevölkerungsanteil. Bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts galt der Bahnhof für die in großer Zahl in der Hauptstadt ankommenden Juden und Jüdinnen aus Osteuropa als das "Tor zur Welt".

Die Realisierung eines Flughafens an diesem historischen Ort bedeutet einerseits die Wiederaufwertung des Pratersterns zu einem internationalen Verkehrsknotenpunkt, andererseits bildet der Flughafen den örtlichen Rahmen für die Ankunft jener Personen, die eine Einladung der Republik annehmen. Für die symbolische Frist von 60 Monaten wird ihnen ein exklusives Nutzungsrecht eingeräumt.

Mit der Vertreibung und Ermordung hunderttausender Menschen hat die österreichische Gesellschaft sich selbst einen immensen Verlust an intellektueller, kultureller, wissenschaftlicher, religiöser, ökonomischer und sozialer Vielfalt zugefügt. Durch die Realisierung von airport.praterstern erhält sie ein Stück ihrer vergangenen Diversität und der Praterstern seine historische Bedeutung zurück. Nun allerdings mit umgekehrten Vorzeichen: Er wird zum "Tor zur Welt" für Wien und Österreich selbst.

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