Mit dem Projekt basistunnel.loiblpass möchte die Republik Österreich einen weiteren notwendigen Schritt zur Aufarbeitung ihrer Geschichte setzen und sich explizit bei all jenen bedanken, die Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet haben.

Zwar wurde im Umfeld der Staatsvertragsverhandlungen der antifaschistische Widerstandskampf in seiner Gesamtheit - einschließlich jener der Kärntner PartisanInnen - von Österreich als der eigene Beitrag zu seiner Befreiung präsentiert, den die Alliierten 1943 in der Moskauer Deklaration ausdrücklich gefordert hatten. Dieses Geschichtsbild wurde allerdings bald darauf im Zuge der Reintegration von NationalsozialistInnen in die österreichische Politik und Gesellschaft weitgehend verzerrt und geleugnet. In den folgenden Jahrzehnten versäumte die Republik Österreich nicht nur, ihre Dankbarkeit gegenüber WiderstandskämpferInnen entsprechend zum Ausdruck zu bringen, sondern ließ revisionistische Kräfte gewähren, sie als Feindbilder zu missbrauchen.



Von den Kriegsdienstverweigerern und Deserteuren, der organisierten ArbeiterInnenbewegung und den konservativ-bürgerlichen Widerstandsgruppen, den SaboteurInnen und den Befehlsverweigerern über jene, die nach ihrer religiösen Überzeugung und jene, die nach humanistischen Prinzipien handelten bis hin zu den militärisch organisierten PartisanInnen, sie alle setzten unter der ständigen Gefahr der Denunziation ihr eigenes Leben sowie die Existenz ihrer Familienangehörigen aufs Spiel, um ihrer Überzeugung treu zu bleiben und - wider dem opportunen Geist jener Zeit -- dem nationalsozialistischen Terrorregime entgegenzutreten.

Im Unterschied zu anderen Teilen Europas, in denen von vornherein ein klares Feindbild bestand und der Widerstand gemeinsame Sache aller nationalen Kräfte war, hatten die österreichischen WiderstandskämpferInnen in einer feindlichen, von SystemkollaborateurInnen und fanatischen RegimeanhängerInnen durchsetzten Umwelt zu wirken.

Als effektivste der militärisch organisierten Gruppen des österreichischen Widerstands gelang es den Kärntner PartisanInnen in besonderem Maß, Moral und Kampfkraft der NS-Volksgemeinschaft zu schwächen sowie - verhältnismäßig - beträchtliche Teile der Nazitruppen im Hinterland zu binden. Aus diesem Grund wird ihr Beitrag zur Befreiung und Unabhängigkeit Österreichs im Projekt basistunnel.loiblpass zentral behandelt. Dieses umfasst zwei Schwerpunkte:



Neben einer grundsätzlichen Neuorientierung in der Erinnerungspolitik werden seitens der Republik Österreich konkrete politische Maßnahmen gesetzt, um die Versäumnisse gegenüber den WiderstandskämpferInnen aufzuarbeiten:

  • der Ausdruck des Dankes an alle WiderstandskämpferInnen für ihren Beitrag zur Befreiung vom Nationalsozialismus und zur Unabhängigkeit Österreichs
  • das Angebot umfassender finanzieller Entschädigungen für materielle sowie physische und psychische Beeinträchtigungen, Nachteile oder Schäden
  • die Anrechnung der Kampf- und Haftzeiten als Pensionsversicherungsjahre
  • die sofortige Umsetzung aller im Staatsvertrag zugesicherten Rechte der Minderheiten in Österreich inklusive des im Staatsvertrag verankerten Verbots der Tätigkeit minderheitenfeindlicher Organisationen
  • die Initiierung multilateraler Programme mit den Nachbarstaaten zur Völkerverständigung und Vergangenheitsbewältigung


Der Loibltunnel wurde zwischen 1943 und 1945 aus strategischen Überlegungen im Zuge des nationalsozialistischen Vernichtungskriegs am Balkan und der Eingliederung der slowenischen Gorenjska (Oberkrain) in den Gau Kärnten von Häftlingen des Konzentrationslagers Mauthausen gebaut, die zu diesem Zweck in zwei eigens errichtete Außenlager, das KZ Loibl Nord und das KZ Loibl Süd, deportiert wurden.

Während heute auf der slowenischen Südseite durch eine entsprechende Gedenkstätte an die Opfer erinnert wird, übergab man nach Kriegsende auf der österreichischen Nordseite nahezu das gesamte Areal des ehemaligen Konzentrationslagers an den Vorbesitzer, ein ehemaliges illegales NSDAP-Mitglied. Somit überließ man diesen historischen Ort teils der Verwahrlosung, teils der wirtschaftlichen Nutzung - ein charakteristisches Beispiel österreichischer Erinnerungskultur.

Das Bauprojekt im Zuge von basistunnel.loiblpass besteht aus zwei Teilen, die zeitgleich realisiert werden.

Einerseits wird westlich von Ferlach/Borovlje der neue Basistunnel für eine direkte Autobahn- und Magnetschwebebahnverbindung zwischen Klagenfurt/Celovec und Ljubljana erbaut. Andererseits wird auf dem Areal des KZ Loibl Nord eine Gedenkstätte errichtet sowie der bestehende Tunnel für den Autoverkehr geschlossen und in Das Museum des Österreichischen Widerstandes umgewandelt.

Somit wird in jener Region, in der KZ-Häftlinge unter grausamen und menschenverachtenden Bedingungen arbeiten und sterben mussten, in der PartisanInnen heroisch Widerstand leisteten, jene Insassen, die aus den Lagern flüchten konnten, in Sicherheit brachten und schließlich die Überlebenden befreiten, ein Areal der Erinnerung geschaffen, mit dem sowohl den KZ-Opfern als auch den WiderstandskämpferInnen gedacht wird.
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